Konzept & Markt

Hamburger Abendblatt 7/1998

Hamburgs neue Busse

Hamburgs Linienbusse bekommen ein neues Gesicht. Noch bis zum Jahresende werden mindestens 20 Busse im Stadtverkehr eingesetzt, die vollflächig mit Werbung geklebt sind. Hamburg übernimmt damit eine Vorreiterrolle in Deutschland.

In vielen anderen Städten ist die neue Art der Werbung großer Unternehmen wie Sony und Disney aus Sicherheitsbedenken noch nicht zugelassen. Denn anders als bei herkömmlicher Verkehrsmittelwerbung sind neben dem Rumpf auch die Fenster der Fahrzeuge komplett verkleidet. Nur Windschutzscheibe und Fahrertür bleiben werbefrei. Der Hamburger Guido Meyer  Hat sich als einer der ersten seiner Firma Showtime auf die Werbung im Nahverkehr spezialisiert.

Das besondere daran ist die abriebfeste Fensterfolie Sie ermöglicht es, in sich geschlossene Bilder über die Fensterflächen zu ziehen, durch die man von außen nicht in das Innere des Busses blicken kann ,,Erst wenn abends im Bus das Licht angemacht wird, sind die Insassen wieder zu sehen‘‘, sagt Meyer. Umgekehrt haben die Passagiere fast uneingeschränkte Sicht. Für sie ist der Blick von innen nach außen wie durch eine getönte Sonnenbrille. Der Bus als Werbefläche rückt durch die neue Beklebung für die Wirtschaft in ganz neue Dimensionen vor. ,,Die modernen Niederflurbusse mit ihren großen freien Fensterflächen waren für Unternehmen als Werbemittel oft nicht mehr interessant genug‘‘, sagt Arne Reinertz, Geschäftsbereichsleiter Verkehrsmittelwerbung der Deutschen Städte Reklame (DSR), dem Abendblatt. Die überall beklebten Busse seien dagegen eine ,,riesige Chance, neue Werbekunden zu gewinnen‘‘.

Das werden von allem Markenartikel sein. Nahrungsmittelhersteller Unterhaltungskonzerne und Einzelhandelsketten planen bereits eigene, vollbeklebte Busse. Ein großer Autofabrikant will nach Informationen des Abendblatts gleich 200 PR-Fahrzeuge in den Linienverkehr schicken. Noch gibt es in  Deutschland nur rund 30 dieser Fahrzeuge, 1500 sollen es laut DSR werden. Kosten für den Werbetreibenden: zwischen 40.000 und 70.000 Mark pro Bus und Jahr. Die Verkehrsbetriebe kassieren davon 20.000 Mark-deutlich mehr als bei der üblichen Werbung. Eine Anzeige an den Rumpfflächen eines normalen Busses ist heute schon für knapp 10.000 Mark zu haben. Bundesweit wird auf 15.000 Fahrzeugen geworben. Die Verkehrsbetriebe brauchen die Mehreinnahmen dringend, denn die Erlöse aus der Werbung an Fahrzeugen sind in den vergangenen sechs Jahren drastisch von 185 auf 131 Millionen Mark gesunken. Reinertz plädiert dafür, daß in jeder Stadt nur zehn Prozent aller Linienbusse voll- oder größtenteils beklebt werden, in Hamburg wären das rund 100. ,,Sonst fallen sie nicht mehr auf.‘‘

Sony fällt auf – mit einem Hamburger Bus, der rundherum Computerspiele zeigt. ,,Die Leute sind begeistert. Da läßt sich in den nächsten Jahren noch einiges machen‘‘, sagt Katrin Diepold aus der Marketingabteilung des Unternehmens Konkurrent Virgin bringt demnächst neun aufwendig gestaltete ,,Command & Conquer‘‘-Busse auf die Straße, zwei davon in Hamburg. Bisher habe man nie Werbung auf Bussen gemacht, sagt Marketingmanagerin Nathall Schrader, ,, aber jetzt erhoffen wir uns durch die neue Technik eine extrem hohe Aufmerksamkeit‘‘

Aus Sicherheitsgründen werden die neue Werbetechnik nur bei Bussen erlaubt, die vom Fahrer vollständig überblickt werden könnten, sagt Reinertz. In Hamburg wären das rund 1000.

3M intern 6/1999

Radisson SAS Hotel Hamburg im Meteoritenregen

,,wir wollten ein Bild, das wirklich einschlägt“, so Peter Wenisch, Abteilung Commercial Graphics, als es darum ging, die Werbe-ldee für den Start des Videoverkaufs von ,,Armageddon’’ umzusetzen. 3M lieferte die Folien und das Know-how, die Firma Buena Vista Home Entertainment, ein Tochterunternehmen der Disney-Company, mit der Markteinführung des Videos den Anlaß. Für Bildkommunikation, die den Rahmen des Üblichen sprengt, gab es nur eine Lösung: die 3M“‚ Scotchprint TM Grafik.

Die Hamburger Firma ShowTime, bekannt für ,,Eye-Catcher’’ der besonderen Art, entwarf nach einer Rißzeichnung der 120 Meter hohen und 46 Meter breiten Radisson SAS Hotelfassade den spektakulären Blickfang. Rund 50 Stunden benötigte die Firma Keppler+Schulz, Hamburger Lichtwerbe- und Digitaldruckprofi, für den Druck des 600 qm großen, Flammen umzüngelten Einschlaglochs, das seit dem 30. April in der Hamburger Innenstadt für Aufsehen sorgt.

lm Sommer vergangenen Jahres ließ die Firma Buena Vista Boulevard in Los Angeles ein ähnliches Spektakel inszenieren, um auf den Film aufmerksam zu machen, in dem die US-Stars Bruce Willis und Ben Affleck gegen den drohenden Einschlag von Meteoriten kämpfen. Der verspiegelte Wolkenkratze, der in den USA vom ,,Einschlag'“ betroffen war, verursachte ein Verkehrschaos, weil Schaulustige den ,,Schaden’’ begutachten wollten.

Zu einem Verkehrschaos kam es in Hamburg nicht, aber das Interesse von Passanten und Medien an dem digitalen Katastrophen-Szenario war enorm und die nach Aussagen von Buena Vista ,,größte Werbekampagne, die in Deutschland je für ein Kaufvideo gefahren wurde’’, ein voller Erfolg.

3M intern 10/1999

Ein tierisches Vergnügen bereitet der Anblick der fünf vollflächig verklebten „Schweinchen-Babe-Busse‘‘, die Universal Pictures Video pünktlich zur Präsentation des Videohighlights „Schweinchen Babe in der Großen Stadt“ in Berlin auf Tour schickte. Der Hamburger Lichtwerbe und Digitadruckprofi Keppler+Schulz bannte die quietschfidelen, von der Agentur Showtime entwickelten Motive mit Hilfe des digitalen Scotchprint Systems innerhalb kürzester Zeit auf Folie. Microperforationen in unserer Window Graphics Folie sorgen dabei für eine spe(e)ktakuläre Außenansicht und dies bei ungetrübtem Blick der Passagiere von innen nach außen.

„Ein sauguter Tag in Berlin“ das war das Motto des von Universal Pictures unter Berliner Schulklassen ausgeschriebenen Wettbewerbs. Einhundert Kinder versammelten sich Mitte September in der Hauptstadt um zunächst eine stilechte Taufe der rosaroten Riesenmotive mit Wasserbomben vorzunehmen. Danach ging es zu Babes realen Verwandten in den Berliner Zoo, wo die Kinder Patenschaften für ein Schwein übernehmen und einen Blick hinter die Kulissen werfen konnten. Dem Interview mit einem Filmtiertrainer folgte ein Besuch beim regierenden Bürgermeister Diepgen, der sich in einem einstündigen Frage-Antwort- Spiel Zeit nahm für Fragen und Anregungen aus den Reihen der neun- bis elfjährigen Hauptstadtbewohner.

Guido Meyer, Chef der Agentur Showtime (sorgte mil Hilfe unserer Folien bereits für den spektakulären ,,Meteoriteneinschlag“ im Hamburger Radisson SAS Hotel und den ,,Raketenstart‘‘ von der Frankfurter Commerzbank Zentrale) zu der von ihm konzipierten Marketingaktion: ,,Unser Ziel war es, Kindern mit diesem Event die Möglichkeit zu geben, verschiedene Seiten der Großstadt kennenzulernen und sich – zumindest ein bisschen – in die Lokal- politik einzumischen.“ Als Erholung vom ,.Großstadtdschungel“ gab’s zum Abschluss ein – natürlich ferkelloses – Kinderbüffet im Radisson SAS Hotel.

Mehr als platte Werbung (auf den Verkauf von Merchandising-Artikeln wurde bewusst verzichtet) und eine „saustarke“ Aktion, fanden die Kids. Die Schweinchen-Babe-Busse werden in den nächsten Monaten noch in Berlin, Hamburg und Essen für Aufsehen sorgen.

Bild 2001

… und zaubert Entscheidung der bösen Stadträtin weg

Von H. Bruns

Hermine, Ron, Hagrid – Harry Potter hat treue Freunde. Auch Peter Strieder zählt jetzt dazu. Heute Morgen erteilt der SPD-Senator die Baugenehmigung für das größte Kino-Poster der Welt (1200 qm). Ab sofort kann der Zauberlehrling weiter ans Forum-Hotel (Alex) geklebt werden.

Wie im richtigen Zauber-Leben: Expelliarmus! Hat der gute Senator die böse Stadträtin entwaffnet. Reducio! Muss sich Dorothee Dubrau von den Grünen zurückziehen. Strieder macht von seinem Eingriffsrecht gegenüber dem Bezirk Gebrauch.

Die Stadträtin von Mitte wollte das Klebeplakat auf jeden Fall verhindern. Mit Rückendeckung von Bürgermeister Joachim Zeller (CDU): ,,Wir sind gehalten, nach Recht

und Gesetz zu urteilen. Die Normen dazu hat der Senat gesetzt!“

Empörung bei Bausenats-Sprecherin Petra Reetz: ,,Prinzipien-Reiterei! Wir sind verstimmt, weil der Bezirk das Thema so wenig beachtet. Ist ja keine Waschmittel-Werbung. Harry Potter hat Millionen Kinder dazu gebracht, wieder ein Buch in die Hand zu nehmen.‘‘

Keine andere Stadt machte Plakat-Macher Guido Meyer (35) die Arbeit so schwer. ,, In Hamburg brauchte ich keine Baugenehmigung, um ein Hotel zu bekleben. ‘‘Da gibt’s auch keine Stadträtin Dubrau.

Eine, die viel stört: Das Oktoberfest auf dem Gendarmenmarkt, eine Tiefgarage unterm Badeplatz, selbst Kanzler Schröder – als Plakat auf der Rückseite der DG-Bank. Harry Potter würde wünschen: Wingardium Leviosa – schwebe davon!

Hamburger Abendblatt 11/2003

Im Radisson Hotel wird von heute an monatelang Blut fließen – genauer gesagt: am Radisson entlang. Denn die Fassade des Wolkenkratzers am CCH dient bis Ende Januar als Werbefläche für das neue Musical ,,Tanz der Vampire“. 400 Quadratmeter der Fensterfront werden bis zum kommenden Mittwoch vom Kaltenkirchener Künstler Guido Meyer im Auftrag der „Stage Holding‘‘ mit perforierter Folie beklebt. Am Ende wird ein Vampirgebiss zu sehen sein, aus dem das Blut tropft – und der Slogan: ,.Musicalhauptstadt Hamburg‘‘. Preis des Riesenposters: 45 000 Euro.

Damit wird drei Wochen nach dem Streit um das Filmplakat an Dock 10 bei Blohm + Voss erneut ein riesiges Werbeposter an prominentem Platz angebracht – obwohl die Hamburger Bauordnung ,,Werbeanlagen an öffentlichen Gebäuden repräsentativen oder städtebaulich hervorragenden Charakters‘‘ verbietet.

Um einen neuen Streit mit dem Bezirk Mitte zu verhindern, gibt es auf dem Plakat am Radisson keinen Texthinweis auf „Tanz der Vampire“, das am 7. Dezember in der Neuen Flora Premiere feiert. So gilt das Plakat offiziell nicht als Produktwerbung, sondern als Werbung für Hamburg. Mit  diesem Argument konnte Bausenator Mario Mettbach (Schill-Partei) eine Sondergenehmigung erteilen, obwohl der Bezirk Mitte das Plakat zunächst verboten hatte. Nach längerem Hin und Her gab das Bezirksamt klein bei. ,,Der Argumentation. dass es sich nicht um Einzelwerbung, sondern um städtische Werbung handelt, konnten wir uns nicht verschließen‘‘, so Bezirksamts-Sprecher Gerthold Roch.

Auch beim Streit um das Russel-Crowe-Plakat an Dock 10 hatte die Baubehörde sich vor drei Wochen gegen den Bezirk durchgesetzt, der eine Entfernung des Riesenposters verlangt hatte. Im Jahr 1999 war das noch anders. Damals zwang der Bezirk Mitte Künstler Meyer dazu, sein erstes Plakat vom Radisson wieder abzunehmen. Das Bild war damals für den Film ,,Armageddon‘‘ und erweckte die Illusion, als habe ein Meteoriteneinschlag ein riesiges Loch in das Hotel gerissen.

Langfristig will die Schill-Partei nun die Bauordnung so ändern, dass Werbung an prominenten Gebäuden erleichtert wird. ,,Unsere Fraktion bereitet einen Antrag vor‘‘, so Mettbach. Mitte 2004 könne die neue Verordnung schon in Kraft treten, wenn auch die Koalitionspartner zustimmten. Allerdings sei die Änderung der Verordnung „ein Ritt auf der Rasierklinge‘‘, so  Mettbach. ,,Schließlich wollen wir auch nicht, dass überall in der Stadt Werbung herumhängt.‘‘